Interview: Cornelia Daniel von Dachgold

Artemis Linhart am

Dachgold. Wegweisend in Österreichs Solarenergie-Gewerbe. Cornelia Daniel, Gründerin von Dachgold, im ChillBill Interview.

Wer bist du und was macht dein Unternehmen?

Wer bin ich? Was für eine philosophische Frage… Ich bin sicher noch auf der Suche, aber meiner Meinung nach schon sehr weit gekommen beim Beantworten dieser Frage. Ich bin in jedem Fall in der glücklichen Lage, an meiner Berufung zu arbeiten und diese ist es, die Sonnenenergie in Österreich bei ihrem unaufhaltsamen Aufstieg zu unterstützen. Die große Mission lautet, frei nach Bill Gates: Auf jedem Unternehmensdach eine Solaranlage. Mein Unternehmen, Dachgold, unterstützt Gewerbebetriebe bei der Umsetzung von Photovoltaikanlagen. Mein Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeits- und Förderberatung und mit der Initiative Tausendundein Dach haben bei ein Projekt geschaffen, welches weltweit seinesgleichen sucht. Wir bauen das größte Netzwerk von UnternehmerInnen mit Photovoltaikanlagen auf.

Warum kommen die Leute zu dir?

Die Leute kommen zu mir, weil sie spüren, dass diese Solarenergie schon irgendwie genial wäre, aber sie aufgrund falscher Medienberichte und einem weit verbreiteten Halbwissen nicht genau wissen, ob – und vor allem – wie es Sinn macht. Die meisten Unternehmen kommen über den Photovoltaik Quick-Check zu uns, bei dem wir in kürzester Zeit eine Erstprojektierung mit Wirtschaftlichichtsberechnung, Lastprofil-Analyse und Dachplanung vorlegen und die Unterlagen so aufbereiten, dass auch UnternehmerInnen mit wenig Zeit eine Entscheidung treffen können. Es mangelt in den meisten Unternehmen nicht am Willen, in Photovoltaik zu investieren, sondern an Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Da setzt auch Tausendundein Dach an, welches alle Prozesse so optimiert, dass KundInnen möglichst wenig Zeit dafür aufwenden müssen. Photovoltaik steht nun mal nicht an erster Stelle der Priorität unserer KundInnen, weil sie primär auf ihr Kerngeschäft schauen. Ähnlich wie ChillBill helfen wir den KundInnen, Zeit zu sparen und in weiterer Linie dann bares Geld durch die Reduktion der Fixkosten durch die Photovoltaikanlage.

Erzähl‘ uns Schritt für Schritt, was dich dorthin gebracht hat, wo du heute stehst. Hat es einen Business-Plan gegeben?

Hui, wie viel Zeit habt ihr? Das könnte länger dauern. Ich sage immer, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte zudem den richtigen Riecher. Ich bin in einem Haus aufgewachsen, in dem Solarenergie immer schon eine Rolle gespielt hat. Wir produzieren seit mehr als 30 Jahren zu Hause das Warmwasser mit einer Solarthermie-Anlage, von da her war die Solarenergie für mich immer schon etwas Selbstverständliches. Den wichtigsten Wendepunkt gab es am Ende meines Wirtschaftsstudiums, als ich den australischen Solarmarkt für einen österreichischen Hersteller untersuchen durfte. Ich war dadurch 2008 die vermutlich einzige Wirtschaftsabsolventin, die den Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie kannte und politische Zusammenhänge der Energiewirtschaft deuten konnte. Leider wird dieser Teil der Wirtschaftsausbildung im Studium völlig vernachlässigt. Durch diesen Wissensvorsprung bekam ich sofort einen Teilzeitjob bei einer Solarinvestmentfirma und ich durfte Wirtschaftlichkeitsberechnung für solare Milliardenprojekte in Italien und Spanien durchführen. Es war eine sehr aufregende Zeit, weil ich wusste, dass da gerade etwas passiert, von dem der Rest der Welt genau gar nichts mitbekommt, das aber unsere Gesellschaft für immer verändern würde. So beschloss ich damals - 2 Jahre, bevor der PV-Markt in Österreich losgehen könnte - ein Unternehmen, spezialisiert auf Unternehmen, zu gründen, weil ich schon damals der Meinung war, dass Photovoltaikanlagen vor allem dorthin gehören, wo der Strom auch gleich wieder verbraucht wird, und nicht primär auf großen Freiflächen. So habe ich mich auf die Lauer gelegt und 2011 war klar, dass es vermutlich 2013 richtig losgehen könnte und ich gründete Dachgold. Meine Markteinschätzung hat sich auch zu 100% bestätigt.

Wie lange hat es gedauert, bis du dir ein Gehalt auszahlen konntest? Wie hast du dich in der Zwischenzeit über Wasser gehalten?

Ich habe, wie gesagt, gegründet, als es noch keinen relevanten Markt für meine Zielgruppe gab. Deshalb waren die Beratungsaufträge aus dem Solargeschäft überschaubar, aber unglaublich wichtig für die Entwicklung des Unternehmens. In der Zwischenzeit habe ich mich vor allem durch Studien und Blogartikel über Wasser gehalten und gleichzeitig mein Wissen über erneuerbare Energien unglaublich ausgebaut. Alle Fragen, die ich mir gestellt habe, habe ich öffentlich beantwortet und so unter anderem für den Ökoenergie-Blog (Raiffeisen Klimaschutz) und als Chefredakteurin für einen großen Solarthermie-Hersteller in Deutschland (Ritter Solar) als Bloggerin gearbeitet. Dabei ist auch das größte Netzwerk an Energie-BloggerInnen entstanden und wir konnten gemeinsam viel bewegen. Diese Öffentlichkeitsarbeit liegt mir auch heute noch sehr am Herzen. Leider – oder Gott sei Dank – habe ich durch unser unglaublich erfolgreiches Programm Tausendundein Dach nicht mehr so viel Zeit zum Schreiben. Ein bisschen verdient habe ich auch die ersten 2-3 Jahre. Aber auf ein Niveau meiner StudiumskollegInnen kam ich sicher erst nach 4-5 Jahren. Dafür weiß ich, dass ich langfristig deutlich über einem Durchschnittsgehalt liegen werde, aber gleichzeitig auch an meiner Berufung und einer sauberen Energieversorgung arbeiten werde. Leider weiß man am Beginn nicht, ob die Rechnung am Ende aufgehen wird. Ich verstehe also auch alle, die das Risiko nicht eingehen möchten. Aber am Ende des Tages gilt: Never give up!

Wie viele Arbeitsstunden hat ein durchschnittlicher Tag bzw. eine durchschnittliche Woche bei dir?

Das ist bei mir wirklich weniger als viele glauben. Ich arbeite sehr effizient und vor allem Output-bezogen. Deshalb geht auch in 40-50 Stunden pro Woche einiges weiter. Ich arbeite seit Jahren nicht mehr am Wochenende und seit letztem Jahr leiste ich mir auch 1-2 Wochen Urlaub.

Hat sich deine Zielgruppe im Laufe der Zeit entwickelt? Ist sie anders als ursprünglich angedacht?

Meine Zielgruppe waren von Anfang an Gewerbebetriebe. Das einzige, was sich verändert hat, ist der Fokus innerhalb der Zielgruppe, wobei ich immer schon wusste, dass familiengeführte Unternehmen, die langfristig denken, die bessere Zielgruppe sind. Diese Unternehmen sind aber nicht so leicht zu finden, deshalb verzettelt man sich dann doch ab und an bei einem Großkonzern, der für mich immer mehr zur Nicht-Zielgruppe wird, da Photovoltaik und kurzfristige Ergebnisse einfach nicht zusammenpassen. Unsere Zielgruppe sind Nischen-Player, die niemand kennt, und die das Selbstbewusstsein haben, dass sie auch in 10 Jahren noch erfolgreich sein werden. Ich bin unglaublich dankbar, mit diesen Leuten arbeiten zu dürfen, weil diese UnternehmerInnen einen nachhaltigen Wirtschaftszugang haben, der sehr gut zu meiner persönlichen Wertewelt passt.

Wie sieht es in deinem Unternehmen mit Diversität aus? Ist das etwas, worauf du Wert legst?

Jetzt musste ich mal googeln, wie Diversität genau definiert wird. Diversity Management gibt es in meinem 2-Frau Unternehmen natürlich nicht. Bei 10hoch4, dem Photovoltaik-Spezialisten, der unsere Anlagen im Tausendundein Dach Programm fertigt, gibt es aber eine hohe Diversität an Nationen und auch Mütter mit Kindern, die die einzigen sind, die mit dem Behördenwahnsinn bei den Anlagen umgehen können. In dem Fall hat sich die Diversität schon bezahlt gemacht

Welchen Tipp würdest du einem Kind geben?

Suche deine Leidenschaft bzw. verliere sie nicht. Als Kind wissen wir viel besser, was gut für uns ist. Leider wird einem das sehr oft abgewöhnt.

Was beeindruckt dich im Alltag?

Sehr gute Frage. Mich beeindruckt jeden Tag, welche Unternehmen es in Österreich gibt, die kein Mensch kennt, und die ohne Werbewahnsinn und Konsum-Anfeuerung gute Produkte herstellen und verkaufen.

Was hat dich von ChillBill überzeugt?

Die Aussicht, nie wieder Millionen an Zetteln ausdrucken zu müssen und die Möglichkeit der automatischen Weiterleitung wiederkehrender Rechnungen.


Wordrap


Bildquelle: Tony Gigov



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